Kampagnen
Gefährdete Zukunft – Aktion von Amnesty International
AI Index 20/003/2011
Gefährdete Zukunft
Kindersoldaten rekrutiert von der Armee und anderen Gruppen im Osten des Tschad
Zeitlicher Rahmen der Aktion:
Erste Phase 10. Februar bis Juli
2011
Zweite Phase Juli 2011 (nach allen Wahlen im Tschad) bis 28.
Februar 2012
Wichtige Daten:
12. Februar: Internationaler Tag gegen
den Einsatz von Kindersoldaten
03. April 2011:
Präsidentschaftswahlen
08. Mai 2011: Zweite Runde der
Präsidentschaftswahlen
16. Juni 2011: Tag der afrikanischen
Kinder
12. August 2011: Internationaler Tag der Jugend
20.
November 2011: 22. Jahrestag der Konvention für die Rechte von
Kindern
Hintergrundinformation
Der Bericht und die Aktion sind Teil der Kampagne von Amnesty International zum Schutz der Zivilisten im Osten des Tschad. Bitte, lesen Sie den Bericht mit Aussagen von früheren oder derzeitigen Kindersoldaten und Empfehlungen (dazu Kurzfassung auf deutsch von der Kogruppe Tschad) und die Presseveröffentlichung als Hintergrundinformation. Auch die früheren Veröffentlichungen über den Schutz von Zivilisten im Osten des Tschad von Amnesty International sind eine wertvolle Vervollständigung des Hintergrundes. Auch dazu gibt es zwei Kurzfassungen der Amnesty-Reporte.
Durch die Bedrohung durch den bewaffneten Konflikt und die weit verbreitete Gewalt im Osten des Tschad sehen sich Kinder gezwungen, meist sind es die Knaben, sich bewaffneten Verbänden anzuschließen. Einige von ihnen sind entführt und zwangsweise rekrutiert worden, andere haben sich freiwillig gemeldet, um den Tod von Familienmitgliedern oder die Plünderung ihres Viehs zu rächen oder um einfach der Armut zu entkommen oder weil jede Möglichkeit der schulischen Erziehung oder einer Arbeit fehlt. Die Kinder, die in den Lagern der Flüchtlinge und der IDPs leben sind am häufigsten in Gefahr rekrutiert zu werden.
Was ist Amnesty Internationals Haltung in Bezug auf Kindersoldaten?
Freiwillige oder zwangsweise Rekrutierung und Teilnahme an bewaffneten Auseinandersetzungen, ob auf Seite der Regierung oder auf Seiten der Oppositions-gruppen, sind immer Erlebnisse, die letztendlich die mentale und physische Integrität von jeder Person unter 18 Jahren gefährden. Daraus resultierend setzt sich Amnesty International aktiv gegen die freiwillige oder zwangsweise Rekrutierung von Personen unter 18 Jahren durch Regierungen oder bewaffnete Oppositionsgruppen ein.
Regierungen, bewaffnete Oppositionsgruppen und Milizen müssen den Einsatz, die Rekrutierung und das Training von Kindersoldaten beenden.
Aus den bewaffneten Verbänden entlassene Kinder müssen angemessene Hilfen erhalten, um ihre physische und psychische Gesundung und soziale Wiedereingliederung zu ermöglichen. Demobilisation ist nicht einfach das Herausnehmen der Kinder aus den bewaffneten Verbänden – man muss sie mit der nötigen emotionalen und materiellen Unterstützung versorgen, um eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die zivile Gesellschaft zu erreichen. Es müssen Alternativen zur militärischen Rekrutierung angeboten werden, das heißt vermehrte Beschäftigungs- und Erziehungsmöglichkeiten und eine Strategie zur Verhinderung einer erneuten Rekrutierung.
Amnesty International fordert, dass alle kriminellen Täter, die verwickelt sind in Menschenrechtsverletzungen, eingeschlossen die Beschäftigung und Rekrutierung von Kindersoldaten, vor Gericht gestellt werden.
Was ist Amnestys Hauptsorge?
Amnesty Internationals Hauptsorge gilt der weiter bestehenden Rekrutierung und Beschäftigung von Kindern durch die tschadische Armee, tschadische und sudanesische bewaffnete Gruppen und die daraus entstehenden Konsequenzen für die Zukunft dieser Kinder.
Amnesty International ist besonders besorgt über die Straflosigkeit, die jene genießen, die verdächtigt werden Kindersoldaten zu rekrutieren. Es wurden bisher keine Anklagen gegen Mitglieder der Armee und von bewaffneten Gruppen erhoben wegen der Rekrutierung von Kindern. Im Gegenteil hat Präsident Déby am 10. Januar 2011 eine Amnestie erlassen für kriminelle Taten, die von Mitgliedern der bewaffneten Opposition begangen worden waren und er lässt auf diese Weise sehr effektiv die Straflosigkeit für Vergehen gegen die Menschenrechte von Kindern, die eingesetzt waren bei Kriegshandlungen, weiter bestehen.
Amnesty International ist auch beunruhigt, dass kein wirksames Demobilisierungs- und Wiedereingliederungsprogramm im Tschad existiert. Das liegt einerseits an dem fehlenden politischen Engagement der tschadischen Regierung und des Militärs und andererseits an dem Mangel an Ressourcen und an der unruhigen Situation im Osten des Tschad.
Was will Amnesty erreichen?
Amnesty International fordert die tschadische und die sudanesische Regierung, tschadische und sudanesische bewaffnete Gruppen und die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft und die Vereinten Nationen auf, wirkungsvolle Schritte zu unternehmen, um den Schutz und die Rechte von Kindern im Osten des Tschad zu gewährleisten.
Es geht in dieser Aktion
- um die Freilassung aller Kindersoldaten und um die Bereitstellung von Schulen, Berufsausbildung und Arbeitsmöglichkeiten, um ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu erlangen.
- darum, dass die internationale Gemeinschaft, eingeschlossen Geber Regierungen und UN-Behörden Prioritäten setzen für die Programme einer effektiven Demobilisierung und Wiedereingliederung der Kinder in ihre heimatlichen Kommunen.
- um die gerichtliche Verfolgung und um Verfahren nach internationalen Standards gegen Personen, die unter dem Verdacht stehen, Kindersoldaten rekrutiert zu haben.
Wer sind die Rekruteure?
Alle Parteien, die an dem Konflikt im Osten des Tschad beteiligt sind, rekrutieren Kindersoldaten:
trotz der Dementi von Regierungsseite befinden sich weiterhin Kindersoldaten in der Tschadische Nationalarmee (ANT)
Tschadische Oppositionsgruppen rekrutieren in Dörfern, Flüchtlingscamps und IDP-Lagern (genauere Angaben dazu im englischen Originaltext)
Bewaffnete sudanesische Oppositionsgruppen benutzten durch das ganze Jahr 2010 Flüchtlingslager und die Lager der IDPs als Rekrutierungszentren. Die „Justice and Equality Bewegung“ (JEM) unterzeichnete 21. Juli 2010 ein Memorandum mit der UN mit Bezug auf den Schutz von Kindern in Darfur. Die JEM verpflichtete sich den Gebrauch und die Rekrutierung von Kindern unter 18 Jahren zu beenden. Aber Ende 2010 war nicht klar, ob und wie weit die JEM dieser Verpflichtung nachgekommen ist. (Dazu genauere Angaben im englischen Originaltext)
Ziele der Aktion während der ersten Phase
Die unten angeführten Ziele der Aktion sind in der ersten Phase realistisch und erreichbar. Nach den Präsidentschaftswahlen werden die Ziele überarbeitet für eine zweite Phase der Kampagne.
Ziel 1: Die tschadische Regierung erteilt klare Befehle an alle Befehlshaber der tschadischen nationalen Armee (ANT), die im Osten des Tschad stationiert sind, Kinder nicht in die Armee aufzunehmen oder zu rekrutieren, einschließlich sudanesischer Flüchtlingskinder und Kinder von Internvertriebenen (IDP). Die tschadische Regierung stellt sicher, dass diese Befehle unmittelbar von allen lokalen Befehlshabern der ANT befolgt werden.
Ziel 2: Die tschadische Regierung erhöht die Sicherheit innerhalb und um die Flüchtlingscamps und die Lager der IDPs, um deren Missbrauch als Rekrutierungszentren durch Mitglieder sowohl der tschadischen Nationalarmee als auch bewaffneter tschadischer und sudanesischer Oppositionsgruppen zu verhindern.
Ziel 3: Die tschadische Regierung stellt sicher, dass alle Befehlshaber der ANT, die im Osten des Tschad eingesetzt sind, mit allen Organisationen der in den Programmen zur Entwaffnung, Demobilisation und Wiedereingliederung von Kindersoldaten (DDR), einschließlich UNICEF und internationalen und lokalen Organisationen, zur vollen Zufriedenheit zusammenarbeiten, und dass die Befehlshaber sofort Schritte unternehmen, um Kinder, die in ANT-Einheiten im Osten des Tschad und anderswo im Land dienen, zu demobilisieren und die Kinder UNICEF zu übergeben.
Was können Sie tun
Briefe schreiben:
Bitte, schreiben Sie höflich formulierte Briefe an den tschadischen Präsidenten.
Drücken Sie darin Ihre Sorge aus über die Rekrutierung und den Gebrauch von Kindern als Soldaten im Osten des Tschad durch die tschadische Nationalarmee (ANT) wie auch durch tschadische und sudanesische bewaffnete Oppositionsgruppen. Erinnern Sie die tschadische Regierung daran, dass sie eine Verpflichtung gegenüber ihrer eigenen Verfassung und gegenüber internationalem Recht hat, Maßnahmen durchzuführen, die die Straflosigkeit derer, die verdächtigt, werden Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben, einschließlich der Rekrutierung von Kindersoldaten, beendet.
Fordern Sie den Präsidenten auf, die Rechte von Kindern zu schützen und der Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzungen ein Ende zu setzen. Fordern Sie ihn auf
Klare Befehle an alle ANT Befehlshaber im Osten des Tschad zu geben, keine Kinder, einschließlich sudanesische Flüchtlingskinder und Kinder von tschadischen Internvertriebenen zu rekrutieren oder in die Armee aufzunehmen.
Sicher zu stellen, dass diese Befehle sofort und vollständig befolgt werden.
Die Sicherheit innerhalb und um die Flüchtlingscamps und die Lager der IDPs zu erhöhen, um ihren Missbrauch als Rekrutierungszentren durch Mitglieder sowohl der tschadischen Nationalarmee als auch bewaffneter tschadischer und sudanesischer Oppositionsgruppen, zu verhindern.
Sicherzustellen, dass alle Befehlshaber der ANT, die im Osten des Tschad stationiert sind, mit allen Organisationen, die in den Programmen zur Entwaffnung, Demobilisation und Wiedereingliederung von Kindersoldaten (DDR) tätig sind, zur vollen Zufriedenheit zusammenarbeiten, einschließlich mit UNICEF und internationalen und lokalen Organisationen, und dass die Befehlshaber sofort Schritte unternehmen um Kinder, die in ANT-Einheiten im Osten des Tschad und anderswo im Land dienen, zu demobilisieren und die Kinder UNICEF zu übergeben.
Adressen:
M. Idriss Déby Itno
Président du
Tchad
Présidence de la République
N’Djamena, Tchad
Fax :
+ 235 22 51 45 01
Copies to:
Mme Ngarmbatina Carmel
Ministre de
l’action sociale, de la solidarité nationale et de la
famille
Ministère de l’action sociale, de la solidarité
nationale et de la famille
BP 742
N'DJAMENA
République du
Tchad
Fax : + 235 252 37 42 / 235 252 35 34
Mr Bishara Djadallah
Ministre de la
défense nationale
Ministère de la défense nationale
BP
742
N'DJAMENA
République du Tchad
Fax : + 235 252 45
06
Mr Abderamane Djasnabaille
Ministre
chargé des droits de l’homme et de la promotion des
libertés.
Ministère des Droits de l’homme
BP
169
N’DJAMENA
République du Tchad
Fax : + 235 252 21
39 / 235 252 37 42
Botschafter Tchonai Elimi
Hassan
Botschaft der Republik Tschad
Lepsiusstr. 114
12165
Berlin
contact@ambatchadberlin.com
Weitere Aktionsmöglichkeiten:
- Versuchen Sie an Lehrer oder andere Personen oder Organisationen, die mit Kindern zu tun haben, heranzutreten und sie dazu zu bewegen, entweder selber einen Brief zu schreiben oder aber einen von Ihnen vorgeschriebenen Brief abzuschicken. Versorgen Sie die Angesprochenen mit einem kurzen Bericht über das Thema.
- Versuchen Sie an Schulen und/oder Kirchen heranzutreten, um zum Beispiel einen Kurzvortrag zu halten mit anschließender Diskussion.
- Info-Stände – und versuchen Sie die ortsansässige Presse dazu zu holen.
- Gottesdienste mit dem Auslegen von Briefen oder Unterschriftenlisten
- Vielleicht haben Sie selber noch bessere Ideen, dann lassen Sie es uns wissen.
Feedback
Bitte geben Sie uns ein Feedback über das, was Sie gemacht haben (Wieviele Briefe sind etwa abgegangen, gab es einen Info-Stand und wurde er beachtet, etc.) Sollten Sie Antwort auf Ihren Brief erhalten, so sind wir sehr interessiert es zu erfahren. Diese Bitte kommt nicht nur von Ihrer Ko-Gruppe, sondern auch von unserem Researcher in London!
Zusätzliche Dateien
Musterbrief an den Präsidenten des Tschad
Petitionsliste auf französisch
Deutsche Übersetzung des Musterbriefs an den Präsidenten des Tschad
Deutsche Übersetzung der Petitionsliste
Eine gefährdete Zukunft - Kindersoldaten im östlichen Tschad (Koordinationsgruppe Tschad)
