Workshopbericht: Unternehmensverantwortung und gerechte Entschädigung
28. November 2011
Der vorliegende Bericht analysiert die negativen Auswirkungen der Entschädigungszahlungen des ESSO-Konsortium in der Erdölförderregion Doba im Tschad. Das Entschädigungsmodell beruht auf monetären Zahlungen an Einzelhaushalte. Der Workshop hat Kriterien erarbeitet, um ein alternatives Entschädigungssysstem zu entwickeln.
Das neue Modell berücksichtigt die ländlichen Produktionssysteme und soll den Bauern und Viehhaltern erlauben, dauerhaft Landwirtschaft zu betreiben und ein Leben in Würde zu führen. Für notwendige Umsiedlungen sollen auf der Ebene der Kantone Lösungen gefunden werden.
Themenheft "Leben mit dem Öl. Verelendung, Konflikte, Korruption in Tschad und Kamerun"
Erschienen am 29.8.2011
Das Themenheft stellt exemplarisch Aspekte von Auswirkungen der Erdölförderung in Tschad und Kamerun vor - System der Entschädigungszahlungen, Umweltschäden, Korruption, Konfliktrohstoff Erdöl, HIV/AIDS. Es stellt auch zivilgesellschaftliche Initiativen zur Erdölförderung in Tschad und Kamerun vor und macht aktuelle Forschungsarbeiten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.
Die dokumentierten Daten bieten sich sehr gut für die inhaltliche Unterfütterung der in der Ausstellung ‚Ölbiographien‘ dargestellten Themen an. Sie können gedruckte Exemplare im Koordinationsbüro bestellen.
Themenheft englisch "Living with oil. Poverty, conflicts and corruption in Chad and Cameroon"
Themenheft französisch "Témoignages Pétroliers. Appauvrissement, conflits, corruption au Tchad et au Cameroun"
Weltbank gesteht Scheitern ein: Positionspapier der AG Tschad zur Endevaluation des Pipeline-Projekts Tschad-Kamerun
22.04.2010
Die AG Tschad hat ein Positionspapier 'The World Bank Group and the Chad-Cameroon Oil & Pipeline Project: The logic was sound, but reality interfered ’ gemeinsam mit kamerunischer und tschadischer Zivilgesellschaft verfasst. Anlass war die im November 2009 vorgelegte Abschlussevaluierung der Weltbank des damaligen Modell-Projektes im Öl- und Gassektor: Die Tschad-Kamerun-Erdölpipeline.
Das Papier wurde auf der ‚Policy Dialogue Session‘ am 22.4.10 in der Weltbank in Washington, D.C., vorgestellt. Die Policy Dialogue Session war gut besucht. Werner Kiene, der damalige Vorsitzende des Weltbank Inspection Panels hat moderiert. Für die Weltbank war Michel Wormser, Head of policy for Africa und Vertreter des Vize-Präsidenten Afrika vertreten sowie die WB-Landesdirektorin für Tschad und Kamerun, Mary Barton-Dock. Für die Independent Evaluation Group (IEG) war die Leiterin Monica Hüppi anwesend.
Insgesamt ist die Bank durch das schlechte Abschneiden des Projektes unangenehm berührt, tritt aber defensiv auf. Die Rückmeldung von Wormser und Barton-Dock waren dennoch, dass es doch Entwicklung vor Ort gibt (Straßen- und Schulbau) und die Bank keine grundsätzlichen Entscheidungen zu ihrem Engagement im Öl- und Erdgassektor für notwendig erachtet.
Sie können das Positionspapier downloaden (englisch und französisch).
The World Bank Group and the Chad-Cameroon Oil & Pipeline Project: The logic was sound, but reality interfered
Le Groupe de la Banque Mondiale et le Projet d’exploitation pétrolière et d’oléoduc Tchad-Cameroun : La logique était saine, puis la réalité s’en est mêlée
Positionspapier: Aide Mémoire Menschenrechtssituation Tschad und Aide Mémoire Extraktive Industrien: Gespräch des Forum Menschenrechte mit Außenminister Westerwelle
25.2.2010, Berlin
Das Aide Mémoire zur Menschenrechtssituation im Tschad problematisiert die Situation von MenschenrechtsverteidigerInnen und kritisiert die ausbleibende Umsetzung der Empfehlungen der Untersuchungskommission zu den Menschenrechtsverletzungen während der Februar-Ereignisse 2008.
Zudem wird die Flüchtlingssituation im Osttschad hervorgehoben. Insbesondere Frauen und Mädchen sind von fortgesetzten Übergriffen und sexueller Gewalt betroffen. Sowohl Rebellengruppen wie Angehörige der tschadische Armee sind in diese Verbrechen verwickelt. Die allgemeine Straflosigkeit verhindert, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.
Ein Aide Mémoire zum Bergbausektor thematisiert insbesondere die Verletzung der Rechte der Bevölkerung beim Ressourcenabbau. Es kommentiert die deutsche Rohstoffpolitik, die stark auf die Außenwirtschaftsförderung setzt, zulasten der Bevölkerung in den Abbauregionen.
Beide Dokumente sind erhältlich unter:
Aide Memoire Tschad
2010_final
AM_extractives_final
Studie: BICC Brief 41 'We were promised development and all we got is misery'. The Influence of Petroleum on Conflict Dynamics in Chad
24.2.2010
Tschad—vor und nach der Realisierung des Tschad-Kamerun Erdölpipeline-Projektes—ist ein armes, undemokratisches Land mit zahlreichen sozialen und Gewaltkonflikten. Die Erdölförderung im Doba-Becken im Süden des Landes ging mit dem Versprechen einher, dass sie die gesamte Nation aus der Armut führen würde. Gut 10 Jahre nach der offiziellen Eröffnung der Doba-Pipeline grassiert weiterhin die Armut.
Auf der Grundlage von Desk Studies und Feldforschung analysiert dieser BICC Brief die Wirkung der Erdöleinnahmen auf potenzielle Konflikte in der Förderregion, auf Konflikte um das Management dieser Einnahmen und auf Konfliktfinanzierung. Das Tschad-Kamerun Erdölpipelineprojekt war ein Projekt, das von der Weltbank gefördert wurde. Es hatte in Aussicht gestellt, dass die Förderung des Rohöls aus dem Tschad zur Armutsminderung beitragen würde. Sie wollte es zum Modellprojekt im Bergbausektor machen. Wie dieser BICC Brief zeigt, wurden dieser Absicht zum Trotz, Einnahmen aus der Erdölförderung schlecht verwaltet und nur unzureichend in Entwicklungssektoren wie Gesundheit und Bildung investiert.
Die Menschen, die in der Förderregion im südlichen Tschad leben, tragen die Hauptlast der negativen Auswirkungen der Förderaktivitäten. Ihr Land wird vom ESSO-Konsortium genommen. Infrastruktur wird für die Ölförderung gebaut, aber kaum für die Bevölkerung. Sie müssen sich verschlechternde Lebensbedingungen aushalten (Staub, Gesundheitsrisiken, etc.) und mangelhaft ausgeführte Entschädigungsmaßnahmen.
Anstelle den Menschen in Doba und dem gesamten Tschad Entwicklung zu bringen, werden Erdöleinnahmen eingesetzt um ein Patronage-System anzuheizen, das dem Machterhalt der gegenwärtigen Regierung und insbesondere des Staatschefs Déby dient. Die Öleinnahmen tragen direkt dazu bei, Déby an der Macht zu halten—durch die Finanzierung seines Kampfes gegen die Rebellion und die Ko-optierung bewaffneter und nicht bewaffneter politischer Gegner.
Gleichzeitig könnten einige Rebellengruppierungen den Erdölwohlstand als zusätzlichen Anreiz betrachten, die Staatsgewalt an sich zu reißen. Angesichts der negativen sozio-ökonomischen und Umweltfolgen der Erdölförderung und ihrer unbefriedigenden Abmilderung, existiert ein vielschichtiges Konfliktpotenzial in der Erdölförderregion. Nichtsdestotrotz ist der Ausbruch eines Gewaltkonfliktes kaum wahrscheinlich, da das Gebiet streng von Sicherheitspersonal überwacht wird. Das brutale Niederschlagen vorheriger Rebellionen in der heute erdölfördernden Region ist noch immer im lokalen Gedächtnis gegenwärtig und verhindert neue Ausbrüche.
Dieser BICC Brief spricht auch die Frage an, wie das Entstehen der Erdölförderung im Tschad die Konfliktdynamiken auf lokalem und nationalen Level beeinfluss hat, und berücksichtigt dabei, dass das regionale Konfliktsystem Tschad, Sudan und die Zentralafrikanische Republik beinhaltet.
Zudem beleuchtet er die Rolle der Weltbank, da deren Einbindung entscheidend für die Realisierung des Projektes war. Er schließt, dass das Tschad-Kamerun-Erdölpipeline-Projekt nicht im einem Umfeld von Demokratiemangel, schlechter Regierungsführung und fortgesetztem Gewaltkonflikt hätte stattfinden sollen. Weit davon entfernt, ein Modellprojekt zu sein, kann das Beispiel der Erdölförderung im Tschad künftigen Projekten zur Orientierung über die Fallstricke eines solchen Vorhabens dienen und die notwendigen Voraussetzungen, die im Vorhinein gegeben sein sollten.
Die englischsprachige Vollversion ist erhältlich unter http://www.bicc.de/index.php/publications/briefs/brief-41
Die französische Version "On nous a promis développement – la misère est tout ce que nous avons. L’impact du pétrole sur les dynamiques de conflit au Tchad" ist erhältlich unter http://www.bicc.de/uploads/pdf/publications/briefs/brief41/brief41_fr.pdf
